Wenn das Konzept des kernsanierten „Roten Riesen” im Hochheider Hochhaus-Wohnpark aufgeht, soll es Modell für die leerstehende Nachbar-Ruine werden

Ingo Blazejewski / NRZ, DER WESTEN / 25.08.2009

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Eines der lange leerstehenden Hochhäuser in Hochheide ist saniert, aus einem „Weißen Riesen” ist ein „Roter Riese” geworden. Rund zwölf statt der ursprünglich geplanten zehn Millionen Euro hat der Investor in die Kernsanierung gesteckt. Am 1. September sollen die ersten Mieter mit ihren Kartons auf der Matte stehen. Bislang sind rund 40 Prozent der insgesamt 144 Wohnungen auf den 20 Etagen vermietet. Das Konzept greift die Idee eines Mehrgenerationenhauses auf. Am Eingang sitzt rund um die Uhr ein Pförtner, die Lobby dient als Gemeinschaftsraum, ältere Bewohner finden auf Wunsch Hilfe direkt im Haus: Die Caritas wird im Erdgeschoss eine Sozialstation mit ihrer kompletten Angebotspalette einrichten.

Wenige Tage vor dem Einzug der Mieter steht allerdings nicht die Fertigstellung des „Roten Riesen” im Fokus, sondern vielmehr der Blick in die Zukunft und auf das Nachbargebäude. Denn auch die zweite, seit Jahren leerstehende und doppelt so große Ruine an der Ottostraße wollen die Investoren sanieren. Seit gestern kursiert bereit ein Arbeitstitel: So soll dem „Roten” jetzt der „Blaue Riese” folgen.

Hoffnung auf den Wendepunkt

Aus weiß wird rot: Der sanierte Riese an der Hanielstraße.
Till Mundorf, Geschäftsführer der Ding-Gruppe aus Bonn, die das Hochhaus an der Hanielstraße ersteigert hat und als Projektentwickler auftritt, bekräftigte gestern erneut den Willen, das Konzept auch an der Ottostraße umzusetzen. „Wir stehen bereit”. Auch wenn die Kernsanierung der zweiten Ruine wohl mehr als doppelt so teuer werde. Denn die Bausubstanz sei in einem schlechteren Zustand, vor allem durch den Frost und den Kot der Tauben, die sich in der Ruine munter vermehren, seit die Stadt die Fenster aus Sicherheitsgründen herausgenommen hat. Dennoch sei ein Blauer Riese wie der Rote „durchaus wirtschaftlich zu betreiben”, betonte Mundorf.

Er geht davon aus, dass es im Wohnpark mit seinen sechs Weißen Riesen den Wendepunkt gibt, wenn entschieden sei, was mit dem letzten unbewohnten Klotz passiert. „Der Leerstand hat enorme Auswirkungen auf die Vermögungssituation der Eigentümer. Wenn der Wert der Immobilien wieder steigt, sind auch wieder Finanzierungen für Sanierung möglich”, sagte Mundorf. Der zwangsgeräumte Klotz sollte bereits seit geraumer Zeit versteigert werden. Doch die Stadt hat das Verfahren nicht weiter vorangetrieben. Die Sanierung aller Hochhäuser ist umstritten, vor allem in der Politik, die sich deutlich für den Abriss ausgesprochen hat. Der allein kostet laut Gutachten allerdings mehr als vier Millionen Euro und ist daher für die Stadt unbezahlbar und für Investoren unwirtschaftlich. Wie gestern beim Besuch der Stadtspitze im Roten Riesen deutlich wurde, spricht einiges dafür, dass es tatsächlich auch einen Blauen Riesen geben könnte – alleine weil die Alternative fehlt.

Schauten sich die Sanierungsarbeiten auf der Hanielstraße an (v.l.): Hans-Jürgen Kocar (Caritas-Direktor), Bezirksbürgermeisterin Hildegard Fischer, OB Adolf Sauerland
„Die Sanierung hier ist ein Beispiel, wie man die Bausünden aus den Sechziger Jahren mit richtig viel Geld sinnvoll umwandeln kann”, sagte Oberbürgermeister Adolf Sauerland. „Wenn sich das Konzept als marktgerecht erweist, ist das ein wichtiges Modellprojekt, dass sich auch auf andere Häuser übertragen lässt. Nicht nur in Hochheide.” Festlegen wollte sich der OB aber nicht. „Hochheide soll nicht so bleiben wie es ist. Man muss nicht alle Hochhäuser erhalten, aber auch nicht alle abreißen.” Aber ein weiterer Block mit mehr als 300 Wohnungen? In einem Stadtteil, der in den kommenden Jahren ein Viertel seiner Einwohner verlieren wird? „Das eine bedingt das andere. Manche ziehen weg, weil sie solche Wohnungen hier nicht finden”, sagte Sauerland.

Caritasdirektor Hans-Jürgen Kocar sprach im Zusammenhang mit altengerechten Wohnungen gestern vom „Sozialmanagement”, das immer mehr an Bedeutung gewinne. Vermieten alleine reiche heute nicht mehr, Angebote wie Pflege und Beratung müssten direkt mit eingeplant werden, um „Menschen bis zum Schluss im Haus halten zu können”. Die ambulante Pflege ersetze immer mehr die stationäre, weil Letztere in der Masse nicht zu bezahlen sei.

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