Der „Blaue Riese“: Ein Hochhaus für Singles

Homberg. Mit kleinen Wohnungen ab 31 Quadratmetern will die Ding-Gruppe auch die letzte leerstehende, 20-stöckige Ruine in Hochheide sanieren. Dann wären alle sechs „Weißen Riesen“ wieder bewohnt. Doch dafür müsste die Stadt als Gläubigerin zunächst die Zwangsversteigerung voran treiben.

Quelle: WAZ, NRZ, Der Westen
Von Ingo Blazejewski

 

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Die Pläne für den „Blauen Riesen” nehmen Form an. Der Projektentwickler, die Köln-Bonner Ding-Gruppe, die bereits einen der Weißen Riesen in Hochheide kernsaniert und zum Roten Riesen umgebaut hatte, treibt ihr Vorhaben emsig voran. Mit einer neuen Studie und ersten Modellbildern hatte das Unternehmen in dieser Woche auf der Immobilien-Messe Exporeal in München geworben. Jetzt kristalliert sich heraus: Sollte auch die letzte, seit Jahren leerstehende Wohnruine tatsächlich durch die Ding-Gruppe saniert werden, wird sie vorwiegend ein Hochhaus für Singles. „Wir haben in dem Roten Riesen derzeit einen Vermietungsstand von 60 Prozent. Das ist für die kurze Zeit seit der Eröffnung sehr gut. Es hätten allerdings bereits auch deutlich mehr sein können. Doch vielen Alleinstehenden sind die Wohnungen einfach zu groß”, sagt Ding-Sprecher Maik Scheffer.

Ein Teil des Gebäudes könnte abgerissen werden

Genau nach den Wünschen dieser Zielgruppe will man sich im Falle einer Revitalisierung des zweiten Klotzes richten und die Zuschnitte anpassen. „Wir planen Wohnungen mit 31, 45, 49 und 68 Quadratmetern, alle mit Balkon”, sagt Scheffer. Nach den guten Erfahrungen aus der Vermietung und Vermarktung des Roten Riesen werde die Gruppe an ihrem Konzept sonst nichts ändern. „Mit der wirtschaftlichen Revitalisierung maroder Bausünden und der Integration von Hilfsdiensten und Sicherheitsvorkehrungen liegen wir voll im Trend.” Der Messeauftritt in München habe auch das Interesse anderer Städte und Investoren geweckt. Nach wie vor gebe es zu wenig barrierearmen Wohnraum, vor allem in Verbindung mit einem Sozialangebot und der gemischten Mieterstruktur eines Mehrgenerationenhauses. Die Wohnruine an der Ottostraße 24, längst als „größter Taubenschlag” verrufen, ist mit 320 Wohnungen von 68 und 86 qm allerdings doppelt so groß wie das jetzt sanierte Hochhaus an der Hanielstraße. Sollten die Projektentwickler diese Einheiten noch unterteilen, würde sich die Zahl auf knapp 500 erhöhen. „Es gibt Überlegungen, ob nicht ein Teil des Gebäudes abgerissen wird. Das hängt allerdings vom Zustand ab. Und den können wir nur beurteilen, wenn wir das Haus mit Architekten und Statikern überprüft haben”, sagt Scheffer.

Jeden Winter leidet die Bausubstanz

Die entscheidende Frage bleibt, wann das Haus überhaupt versteigert wird. Die Gläubigerin, die das Verfahren voran treiben müsste, ist die Stadt Duisburg. Zwischen Ding-Gruppe und Stadtspitze aus OB, Bau- sowie Rechtsdezernent habe es auf der Exporeal bereits gute Gespräche gegeben. „Man ist uns anfangs in Duisburg mit viel Skepsis begegnet. Das hat sich seit der Eröffnung des Roten Riesen geändert”, sagt Scheffer. Ein richtungsweisendes Treffen ist für November terminiert. Nach der bisher „guten Zusammenarbeit” mit der Stadt und dem positiven Zuspruch seit der Eröffnung des Roten Riesen sei die Ding-Gruppe zuversichtlicher denn je, auch den „Blauen Riese” in Angriff nehmen zu können. Die Caritas als Sozialpartner wäre wieder die erste Wahl. Allerdings dränge die Zeit. „Es hängt viel vom Zustand des Gebäudes ab”, sagt Scheffer. „Noch so ein Winter wie im Vorjahr, wo die Bausubstanz bereits deutlich gelitten hat, ist alles andere als förderlich.”

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